Greek | English | Deutsch DHW Facebook Seite
DHW -

DHW-MITGLIEDER ALS VORBILDE...

Unter dem Titel “Gesichter ... mehr

Mitglieder Login:

passwort vergessen?
DHW - Hauptmenu Presse 2015 EIN KÖLNER SPARBUCH ZUM ÜBE...

EIN KÖLNER SPARBUCH ZUM ÜBERLEGEN

2015

EIN KÖLNER SPARBUCH ZUM ÜBERLEGEN

Die Wahlen in Griechenland hatten Georgios Chatzoudis Hoffnung gemacht – doch nun fürchtet er den Sturz der neuen Regierung. Christina Patelkos sorgt sich um die Jugend. (Fotos: Hanano/Meisenberg)

VON MANFRED REINNARTH
Ein Konto bei der Sparkasse Köln Bonn ist für die Tante von
Georgios Chatzoudis gerade die große Hoffnung, um in
Griechenland noch an Bargeld zu kommen. „Sie ist jetzt fast 70
Jahre alt und muss ja irgendwie einkaufen. Die Rente beträgt
inzwischen 250 Euro, die Banken sind geschlossen und
sie ist es nicht gewohnt, die Zahlungen für Strom oder Wasser
zu überweisen“, erklärt der Geschichts-Dozent an der Kölner
Universität, der in den 80er Jahren zum Studium nach
Deutschland kam und blieb. Seine Mutter befindet sich
gerade bei der Tante in Griechenland.
„Wir hoffen, dass durch das Auslandskonto eine
Auszahlung möglich ist, obwohl verschiedene Geldautomaten
schon leer sind.“ Von Köln aus ist es schwer, am Mittelmeer
zu helfen. „Ich kann der Tante auch wegen des Poststreiks
nichts schicken, zumal das sehr unsicher wäre“, bedauert
der Historiker. Gerade weil er Geschichte
und Politik studierte, sorgt er sich um die Heimat – und um
Europa: „Noch sind viele diplomatische Wege offen. Ich habe
aber das Gefühl die Troika hat nur im Sinn, die neue Regierung
zu stürzen“. Wenn man nicht mal der unverbrauchten
Regierung vertraue, wem denn dann, will Chatzoudis
wissen: „Sollen es etwa die richten, die es vorher gemacht
haben?“
Die Angst vor dem „Grexit“, Griechenlands Austritt aus der
Euro-Zone, sei da. „Warum sagt denn Bundesfinanzminister
Wolfgang Schäuble nicht einfach, dass es keinen Grexit geben
wird?“, fragt der Wissenschaftler.
Er spürt die „Angst vor einem Gesichtsverlust“ auf
beiden Seiten und die „historische Dimension“. „Das erinnert
mich an den Blindflug der Politiker, der 1914 zum Ersten
Weltkrieg führte. Es muss einen Europagipfel geben, denn
das Projekt Europa steht auf dem Spiel.“ Das fürchtet wohl
auch Kostas Papakostopulos. Der Leiter des Deutsch-Griechischen
Theaters in Köln wirkt ziemlich deprimiert, ja fast verzweifelt. Von der Euphorie nach der Abrechnung mit der alten Regierung kurz
nach der Wahl ist keine Spur: „Ich möchte jetzt gezielt
schweigen. Ich will abwarten und sehen, was sich diese Woche
entwickelt. Denn ich sehe mich durch meine Tätigkeit in
Deutschland und Griechenland auch als Vermittler“, sagt er.
Vermittlerin ist auch Christina Patelkos, die Leiterin des
DHW-Projektes Kausa Servicestelle Köln. Sie vermittelt
jährlich etwa 1000 jungen Griechen eine Zukunft in Köln:
„Und nun werden es noch mehr. Die Stimmung in Griechenland
hat sich seit der Wahl, die mit sehr viel Hoffnung verbunden war, weil die Situation einfach ein Ende haben musste, sehr verschlechtert. Es ist eine Krise für die Menschen geworden.“ Sie hört die Nachrichten aus beiden Ländern und glaubt, dass die
Deutschen das Leid der Griechen kaum erfassen, bei denen
nämlich von den Hilfsgeldern für die Bankenwirtschaft
nichts angekommen sei. „Es ärgert
mich maßlos, dass immer noch Griechen gibt, die von der
Krise profitieren. Ich verstehe, wenn junge Menschen nach
Deutschland kommen, hier Deutsch lernen und schnell eine
Arbeit finden, denn Deutschland braucht gut ausgebildete
Fachkräfte. Sie hat „Angst um Europa“, glaubt aber trotzdem, dass es „nicht so weit kommt“. 30 Jahre habe die Kapitalwirtschaft um Europa gerungen. Nun setze sie auf
den Verstand der Politiker, Ökonomen und der Europäer.
Reformen? „Wer soll die denn GEORGIOS CHATZOUDIS Historiker
Das erinnert mich an den Blindflug
der Politiker, der 1914 zum Ersten Weltkrieg führte.«ohne Geld durchführen?“, will´sie wissen. „Griechenland wurde,
mit Verlaub, nur ausgenommen. Deutschland wollte
die Banken sanieren. Das Kapital hat Europa gut bedient.“
Armut, Tsipras Rücktritt und „neue Wahlen, die das Volk erneut
teuer zu stehen kommen“, sieht Patelkos auf Griechenland
zukommen, ebenso einen gefährlichen Auftrieb für
Linke und Rechte. Darum gibt sie sich noch mehr Mühe, um
„mit dem Jobstarterprojekt zwischen griechischen und
deutschen Jugendlichen Brücken zu bauen.“Und wenn alles zusammenbricht, Griechenland zur Drachme zurückkehren müsste?
Eine Gastwirtin aus der Altstadt trauert deshalb jetzt
schon. „Niemand will das in Griechenland. Aber wenn es
dazu kommt, wird es auch irgendwie weitergehen.“

 

Medienpartner

Medienpartner

Die Elliniki Gnomi ist ein langjähriger Medienpartner der DHW.

Medienpartner

Medienpartner

Die Griechenland Zeitung (ehemals Athener Zeitung) ist ein langjähriger Medienpartner der DHW.

© 2019 DHW -