Greek | English | Deutsch DHW Facebook Seite
DHW -

DHW-MITGLIEDER ALS VORBILDE...

Unter dem Titel “Gesichter ... mehr

Mitglieder Login:

passwort vergessen?
DHW - Hauptmenu Presse 2010 Stavros Kostantinidis (DHW ...

Stavros Kostantinidis (DHW Bayern) im Interview mit dem Münchner Merkur:

2010

28.02.2010

„Aphrodite mit Stinkefinger – das hat die Griechische Seele sehr verletzt“
Zwischen Griechenland und Deutschland schlagen die Wogen hoch: Ein deutsches Medium zeigt die griechische Göttin der Liebe mit ausgestrecktem Mittelfinger und der Zeile „Betrug in der Euro-Familie“, eine griechische Zeitung kontert mit der deutschen Siegesgöttin, die ein Hakenkreuz hält. Über die hellenische Finanz-Misere und die jüngsten Irritationen sprachen wir mit Stavros Kostantinidis. Der in München lebende griechische Rechtsanwalt ist Vorsitzender der Europa-Union München und Chef der deutsch-hellenischen Wirtschaftsvereinigung.
-Griechenland ist pleite, aber die Hellenen streiken. Hat das Volk den Ernst der Lage nicht erkannt?
Doch. Drei von vier Griechen sprechen sich in Umfragen für harte Sparmaßnahmen aus. Die Frage ist nur: Wie viel nimmt man jenen weg, die schon jetzt wenig haben? Ich bin überzeugt, dass dieser Streik nicht lange währt – vorausgesetzt, die Regierung findet den richtigen Ton.
-In den Protest gegen die Regierung mischt sich zunehmend auch Wut auf Europa. Zuletzt waren brennende EU-Flaggen zu sehen. Soll jetzt Brüssel am Betrug der griechischen Regierung schuld sein?
Die Griechen protestieren nicht gegen Brüssel, sondern gegen die eigene Regierung…
-…die aber nur tut, was Brüssel will…
..die EU darf jetzt nicht den Fehler machen, den griechischen Premierminister alle drei Wochen nach Brüssel zu zitieren, um die ohnehin harten Sparvorgaben noch weiter zu verschärfen. Viele Griechen sind verängstigt, fürchten um ihre Zukunft. Die EU sollte diese Menschen nicht noch weiter verunsichern.
-Griechenland neigt dazu, sich als Opfer von Verschwörungstheorien zu sehen. Eine Zeitung erschien jetzt mit einer Fotomontage, die die Siegesgöttin auf dem Brandenburger Tor mit einem Hakenkreuz in der Hand zeigt, darunter die Zeile „Finanznazitum bedroht Europa“.
Das ist ein Unding! Aber es gibt eine Vorgeschichte: Wenige Tage zuvor erschien der deutsche „Focus“ mit einer Abbildung der Aphrodite von Milos mit Stinkefinger und der Textzeile „Betrüger in der Euro-Familie“. Das war niveaulos. Man erwartet von einem Medium wie dem „Focus“ eine gewisse Sachlichkeit, die hat bei der Abbildung der Aphrodite gänzlich gefällt. Das hat die griechische Seele sehr verletzt. Nicht die Griechen sind Betrüger, sondern die Regierung, die die Bilanzen gefälscht hat!
-Die Griechen fühlen sich speziell von Deutschland in ihrer Finanzkrise im Stich gelassen. Warum?
Weil die Deutschen der Motor Europas sind, weil die Kanzlerin Hilfen für Griechenland ausgeschlossen hat. Und weil die deutsche Exportwirtschaft gut in Griechenland verdient hat, sei es mit der Lieferung von BMWs, von Panzern, sei es beim Bau des Athener Flughafens oder der olympischen Stätten.
-Spielen auch die Verwundungen in beiden Weltkriegen eine Rolle?
Ja. Die griechischen Medien thematisieren sehr stark, dass eine Anleihe, die die deutsche Regierung im 2. Weltkrieg bei griechischen Banken begeben hat und heute einen Wert von 14 Milliarden Euro hätte, nie zurückgezahlt wurde. Und auch die unerfüllt gebliebenen Schadenersatzansprüche griechischer Opfer von Massakern im 2. Weltkrieg, etwa in Distomo, spielen eine Rolle.
-Umgekehrt hat man in Deutschland, das harte Einschnitte hinter sich hat, etwa die Rente mit 67, wenig Lust, jetzt auch noch für jene mitzuzahlen, die nicht gespart haben.
Das ist nur zu verständlich. Die Athener Regierung hat deshalb gesagt, dass man keine Geldgeschenke wolle, nur Zeit, um die Krise zu überwinden. Zeit ,um den Spekulanten die Stirn zu bitten, Zeit um das Steuersystem neu aufzubauen, die Steuerhinterziehung einzudämmen, das Rentenalter anzuheben, die Sozialsysteme zu reparieren. Es geht nicht nur um den Aufbau eines funktionierenden Staates, sondern um die Änderung der Mentalität.
-Viele Deutsche mögen Griechenland als Urlaubsland, in der Gastarbeiterzeit sind viele Freundschaften gewachsen. Werden die gegenseitigen Vorwürfe einen Schatten auf das bisher ungetrübte Verhältnis beider Länder werfen?
Griechenland ist ein gastfreundliches, warmherziges Land, mit Menschen, die mehr geben, als sie besitzen. Auch wenn jetzt die Emotionen hochgehen, bin ich überzeugt, dass die Zeit die Wunden schnell wieder heilen wird. Griechenland geht jetzt einen schweren Weg, aber am Ende wird es uns gelingen, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen, auch gegenüber den europäischen Partnern. Chaos und Organisation – beides sind griechische Wörter.

Interview: Georg Anastasiadis
Quelle: Münchner Merkur

 

Medienpartner

Medienpartner

Die Elliniki Gnomi ist ein langjähriger Medienpartner der DHW.

Medienpartner

Medienpartner

Die Griechenland Zeitung (ehemals Athener Zeitung) ist ein langjähriger Medienpartner der DHW.

© 2019 DHW -